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Blog 'Hier und jetzt und mit allen: Spiritualität'

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Die totale Erlaubnis und der Formentraum (28.10.2022)

Stell dir vor, es gibt NICHTS. Es gibt "nur" ein schöpferisches Prinzip, das man mit den Worten beschreiben könnte „die totale Erlaubnis“.

„Die totale Erlaubnis“ erschafft aus schöpferischer Freude eine Ausdehnung ihrer selbst und gibt ihr ihre schöpferischen Eigenschaften mit. Wie eine Quelle, aus der es lebendig herausfließt. Die EINE Ausdehnung ist der EINE Sohn, das EINE Kind.

So entsteht aus dem NICHTS – durch die totale Erlaubnis – alles, was ist. Alles, was ist, ist NICHTS in der Erscheinung von allem.

Video von Oleg Gamulinskiy / Pixabay

Stell dir ein Bild vor mit bunten Formen, die sich ausdehnen und wieder verblassen, die sich bewegen, die erscheinen und wieder verschwinden, die ineinander übergehen. Alle gemeinsam ergeben sie in jedem Moment das EINE Bild. Doch das ist ihnen in ihrem Traum nicht mehr bewußt.

Höre genau hin. Schaue genau hin. Was hörst du? Was siehst du?

Auf einmal fangen die Formen in ihrem Traum an, sich mit ihrer Erscheinung zu identifizieren. Sich als getrennte Entität zu begreifen. Sich nicht mehr als Einheit (schöpferische Ausdehnung der totalen Erlaubnis) zu erfahren.

„Ich bin der Blaue“. „Ich bin die Violette.“. „Ich bin größer als du.“. „Ich bewege mich schneller als andere.“. „Oh Mist, ich verblasse. Wie furchtbar!“.

Auf einmal hörst du, wie sie einander die Schuld geben. „Du bist in meinen Bereich eingedrungen. Hier gehörst du nicht hin. Du nimmst mir den Platz weg. Verschwinde!“.

„Du bist an meiner Kontur angeeckt und deshalb löse ich mich jetzt auf. Du hast mir sehr wehgetan!“.

Oder du hörst Urteile: „Ich mag keine grünen Kreise neben mir. Rote, oder – wenn es schon keine roten gibt – wenigstens violette, sollen um mich sein!“.

Was ist passiert? Jede Form sieht SICH als DAS Zentrum, dem ALL DAS geschieht.

Aber was passiert wirklich? NICHTS.

Jede Form träumt ihren eigenen Formentraum mit sich selbst als Zentrum. Sie hat vergessen, dass sie von der totalen Erlaubnis geschaffen worden ist. Sie hat vergessen, dass sie dieselben Eigenschaften hat, also auch über die Fähigkeit zur totalen Erlaubnis verfügt.

Wobei, es gibt ein paar, die sich zumindest noch dunkel an die totale Erlaubnis erinnern. Sie ziehen diese aber in ihren Formentraum hinein. „Totale Erlaubnis, bitte mach, dass der rote Kreis mich mag und ich mit ihm zusammenkomme.“. Und wenn dann der grüne Kreis statt des roten in dessen Nähe kommt, hörst du die Anklage: „Totale Erlaubnis, warum läßt du das zu?“.

Du bist der Beobachter. Du kannst das ganze Bild sehen. Alle zusammen sind das Bild. Nichts geschieht hier. Niemandem geschieht etwas. Hier ist Niemand. Es ist in jedem Moment nur das, was erscheint. Und jede Erscheinung träumt ihren Formentraum, indem sie sich als das Zentrum sieht, dem all das geschieht. Dabei hat sie vergessen, dass sie aus der totalen Erlaubnis herausfließt.

Die totale Erlaubnis urteilt nicht. Die totale Erlaubnis richtet nicht. Die totale Erlaubnis greift nicht in die Träume der Formen ein. Sie sieht ja gar nicht, was jeder träumt. Sie weiß ihr EINES Kind in sich selbst geborgen. Die totale Erlaubnis liebt ihre EINE Schöpfung, Ihren EINEN Sohn, der davon träumt, getrennt zu sein. Leise flüstert sie: „Wach auf! Du träumst nur! Alles ist gut! Ich bin doch da!“


Erklärung:

  • Es ist ein Eigenwille entstanden, das Ego-Denksystem.
  • Der Eigenwille nutzt seine schöpferischen Eigenschaften, um einen kreativen Traum von einem Eigenleben zu träumen, in dem er was für sich allein haben und selbst entscheiden kann.
  • Dabei hat er seinen Ursprung, seine Quelle, vergessen.
  • Da es NUR die die totale Erlaubnis gibt, und diese vergessen wurde, hat der Eigenwille einen Ersatz gemacht: die Wahrnehmung von NICHTS in der Erscheinung von allem. Dies ist nun die erlebte Realität, aber nicht die Wahrheit. Es ist nur ein Formentraum.

Zu diesem Text wurde ich inspiriert durch den Videokanal von Claudia Filkov "Nothing ist everything. Das Mysterium" über Nondualität.


Dazu passend fand ich später diese Lesung eines Textes von Tony Parsons. Mir hilft sehr die Metapher von dem einzigen Bild, das es lediglich gibt – entgegen der Vorstellung "Es gibt  mich und die Welt". Dies habe ich oben versucht, zu veranschaulichen.

Nichts passiert hier. Es gibt nur das Ewige Das. Es gibt anscheinend eine Geschichte. Hier bist du. Und da ist die Welt. Aber da ist nur ein Bild. Und es ist nur ein Bild. Es gibt nur ein einziges Bild. [...] In Wirklichkeit gibt es immer nur ein einziges Bild. Es ist Licht. Es ist Einhelt. Das ist jenseits allen Verstehens. Es ist ein Mysterium.Tony Parsons

Christiane Schenke 2021

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