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Die Pflaumbaumlaube

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Die Holländer wohnen in Amsterdam

(veröffentlicht am 22.03.2015)

Christiane im Alter von 7 Jahren - links mit Zöpfen UND Mandeln, rechts mit Zöpfen OHNE Mandeln
Christiane im Alter von 7 Jahren - links mit Zöpfen UND Mandeln, rechts mit Zöpfen OHNE Mandeln |

Heute sah ich auf der Autobahnraststätte zwei Holländer. Prompt schoß mir dieser Satz ins Hirn: „Die Holländer wohnen in Amsterdam“. Dieser Satz ist legendär und folgenschwer - ein Mantra aus meiner Kindheit, genauer gesagt, ein HNO-Mantra.

Denn diesen Satz ließ uns der HNO-Arzt bei jedem Besuch immer wieder sprechen, und das sicher nicht nur aus Gründen der Völkerkunde oder Geografie. (Die Richtigkeit der Aussage hätten wir sowieso nicht persönlich nachprüfen können.) Ich nehme an, der Mediziner konnte an diesem Satz besonders gut akustisch diagnostizieren, wie nasal unsere Aussprache war und ob es endlich an der Zeit sei, unsere kindlichen Atemwege endgültig durch eine Mandeloperation freizulegen.

Und dazu gaben wir vier Geschwister ihm dann auch Gelegenheit. Alle kamen wir unter's Messer. Zu DDR-Zeiten hielt man wohl die Gaumenmandeln irgendwie für ein rudimentäres Organ, was durch die Evolution überflüssig geworden war. Hatte man eine Mandelentzündung zuviel, dann hieß es recht schnell „Wech damit“.

Daß von den Dingern sogar zwei im Schutze meines Gaumens wohnten, merkte ich während der Operation schmerzlich. Nachdem die erste Mandel mit einem scharfen Löffel aus dem Hals geschält worden war, schrie ich „Nicht noch eine!“. Aber was half's? Auch die zweite fand ihren blutigen Weg nach draußen.

Allerdings barg diese Prozedur auch eine Attraktion: Die Eltern brachten einen Thermosbehälter voller Eis ins Krankenhaus, was das mantrageschädigte, mandellose Kind dann ganz allein aufessen durfte – oder musste. Zu Heilungszwecken. Da hatte ich wohl das erste Mal genug Eis für mich alleine. Allerdings leider unter etwas genußfeindlichen Umständen.

Ob heute noch Bedarf an solchen diagnostischen Sätzen besteht? Wenn ja, hätte ich hier ein paar Vorschläge (übrigens alles Eigenkreationen, die ich gern der Medizin zur Verfügung stelle):

  1. Der Osterhase rammelt in Ostramondra.
  2. Der Osterhase hoppelt durch Hoppetenzell (wenn er gerade nicht rammelt).
  3. Gangolf gammelt in Gangloffsömmern.
  4. Pfiffige Mönche mögen Mönchpfiffel.
  5. Abel babbelt Sketche in Kabelsketal.
  6. Chinesische Chinchilla chillen in Quillschina.

Weitere Vorschläge nehme ich gern entgegen, um sie an eine HNO-Praxis, einen regionalen Lachyoga-Club oder auch die Psychiatrie weiterzuleiten.


Legende:


PS: Die Gaumenmandeln garnieren natürlich den Gaumen und wohnen nicht in der Nase. Nasale Aussprache wird sicher nicht zur Diagnose von Mandelentzündung herangezogen, sondern eher als Hinweis, dass die Nasenschleimhaut geschwollen ist. Lustig ist's trotzdem.


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