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Die Pflaumbaumlaube

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Was mich umtreibt

(veröffentlicht am 24.01.2013)

Dinge ganz genau betrachten
Dinge ganz genau betrachten |

Der Philosoph Theodor W. Adorno meinte, "es käme darauf an, Dinge zu machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind..." *

Suchen, Sammeln, Forschen - und die Integration in den Alltag
Ich bin Getriebene, Suchende, Sammelnde, Forschende, solange ich denken kann. Zuweilen konkurrierte dieses starke Hineingezogenwerden in diese Suche mit den Anforderungen eines NORMALEN ALLTAGS- UND BERUFSLEBENS. Da heisst ja die Devise: "Sei mit voller Aufmerksamkeit bei dem, was du tust! Setze dir Ziele und erreiche sie!" Und das tue ich. Ich kann mich so organisieren, weil ich es GELERNT habe.

Das ANDERE, worüber ich hier schreiben möchte, mußte ich NICHT lernen, es war schon IMMER da. Ich mußte es WEGSPERREN, damit der "normale Alltag" mit seinen Aufgaben den notwendigen Raum bekommt. Und sobald ich "den Hammer fallen lasse", drängt es in jeden freien Winkel von mir.

Etwas machen, wovon man nicht weiss, was es ist ...
Wenn ich nun diesem Drang einen Namen geben soll, klingt es sehr abstrakt:
Sinnsuche, Wahrheitssuche, das Elementare des Menschseins erfassen, das Unterworfensein - die Grenzen unserer Existenz - verstehen wollen. Sich ergreifen lassen. Wirklich TIEFE Erfahrungen machen - jenseits des Alltäglichen. Und gerade mitten im Alltäglichen.

Dieser Drang ist andauernd auf Nahrungssuche. Er bringt mich dazu, Fundstücke einzusammeln, die sich tief in mir einbrennen. Einziges Auswahlkriterium ist mein persönlicher "Filter" des Davon-Ergriffen-Werdens.

Mit einer Zitatesammlung fing es an
Vor Jahrzehnten blieben erste Zitate in diesem Filter hängen und ich begann, sie zu notieren. Nach ein paar Jahren schaute ich mir diese Zitatesammlung an.
Was verbindet sie? Gibt es Zusammenhänge zwischen ihnen? Lassen sie sich in Rubriken einteilen? Was entsteht, wenn ich sie hypertextartig vernetze? Verdichtet sich das Ganze gar zu einer Wahrheit? Dieser Prozess der Auseinandersetzung ist bis heute noch nicht vollendet. Ich weiss aber, dass ich sofort Raum und Zeit und mich selbst darüber vergessen könnte. Vielleicht eine schöne Aufgabe in meinem späteren Ruhestand ;-).

Zu den Zitaten gesellten sich Erinnerungen und Erfahrungen. Gerade auch Erfahrungen an den Grenzen des Menschseins, die ich in meiner Zeit als Krankenschwester machen konnte. Mit Alter und Beschränkungen. Mit Krankheit und Sterben. Existentiell. Elementar.

Auch mein Modediplom war davon geprägt
Später, an der Kunsthochschule, gab es natürlich auch wieder das Alltagsleben: Grundlagen der Gestaltung, Erlernen handwerklicher Fähigkeiten, Schnittkonstruktion, Modezeichnen, Entwerfen von Kollektionen.
Für die Diplomarbeit in Modedesign erhielt ich offiziell Raum für meine "tieferen Neigungen". Meine Professoren gaben mir die Freiheit, mir das Thema selbst stellen zu dürfen, und den Satz mit auf den Weg: "Sie können machen, was Sie wollen, Hauptsache, Sie machen es gut!".

So stellte ich mir das Thema: "Kleider für Kinder als zeitgemäßer und kritischer Ausdruck heutigen Menschseins und Vision zukünftiger Wertvorstellungen".
Mein Leitmotiv war dabei: "Was wir an unsere Kinder heute nicht weitergeben, werden sie morgen vielleicht schon gar nicht mehr vermissen".

Dazu gab es natürlich auch eine schriftliche Diplomarbeit. Wie das Thema schon erwarten läßt, machte ich einen Riesen-Spagat und packte sehr viel hinein (...da war wieder die Suchende und Sammlerin am Werk). Ich habe es dem Professor für Psychologie an der Burg, Dr. Schneider, zu verdanken, dass es mir gelungen ist, diesen großen Sack noch rechtzeitig zuschnüren zu können. Er unterstützte mich dabei, entsprechende Schubladen für mein ganzes Material zu finden . So lautet ein Kapitel: "Der Paradigmenwechsel vom Menschenbild der Industrialisierung zum Menschenbild der Ganzheitlichkeit". Mein Diplom war 1994. Der Paradignemwechsel zum Menschenbild der Ganzheitlichkeit ist heute, fast 20 Jahre später, dringender denn je! Die Welt unter dem Aspekt der Verbundenheit zu betrachten, lag mir dabei damals schon am Herzen und war eine sehr starke Triebfeder.

Freunde, die bei meiner Diplomverteidigung dabei waren, sagten hinterher zu mir "Wir hatten das Gefühl, dass es dir gar nicht so um Mode ging, sondern dass da etwas ganz Anderes, Starkes dahinter ist. Dein Diplom war nur ein Ventil dafür."
Da war es also wieder: ...das, was mich umtreibt...
...und so sieht das dann angezogen aus: Mein Modediplom 'Kleider für Kinder'.


 *) Theodor W. Adorno, "Vers une musique informelle", in: Th. W. A., Gesammelte Schriften, Bd. 16, Frankfurt a.M. 1978, S. 493-540, hier S. 540
(Das Zitat steht im Zusammenhang mit künsterlicher Utopie)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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