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Die Pflaumbaumlaube

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Leserbrief an die Kirchenzeitung

(veröffentlicht am 18.09.2019)

Eine Quelle, viele Strahlen
Eine Quelle, viele Strahlen | Foto: Anne-Barbara Bernhard

Ich habe heute einen Leserbrief an die "Glaube und Heimat" geschrieben mit Gedanken, die mir beim Lesen dieses Artikels gekommen sind. Es hätte aber auch ein anderer Artikel sein können, es ist eher ein Gesamteindruck, den ich immer wieder habe.

Sehr geehrtes Team von Glaube und Heimat, ich hatte schon länger den Impuls zu einem Leserbrief. Heute sende ich Ihnen eine Momentaufnahme. So ähnliche Gedanken kommen mit immer wieder, nicht nur beim Lesen der Kirchenzeitung.

Wo finde ich zu Gott? Was hält mich an der Kirche? Ich weiß, dass es viele Wege gibt und jeder wird seinen finden. In den Berichten über die Amtseinführung von Friedrich Kramer als neuer Landesbischof in Ausgabe 37 geht es um „die Ex, die sich freut, wenn Sie wiederkommen“. Das klingt gut, aber spricht mich nicht an. Ich bin noch in der Kirche, frage mich aber in letzter Zeit manchmal, was mich hält außer meiner familiären Tradition. Ich habe hier vieles gefunden, aber es hat mir nicht gereicht und ich habe weiter gesucht.

Für mich gibt es Tiefe, Stille, Selbsterfahrung, Mystik, Gotteserfahrung, wenn ich das Reich Gottes vor alles andere setze.

Und es gibt die Sprache der Welt; geschliffene, gut klingende Formulierungen und Bilder, Munterkeit und Fröhlichkeit. „Nun also kräftig geglaubt und frisch ans Werk!“ klingt munter und motivierend. Das ist gut gemeint. Ich habe gelernt, dass ich zurücktreten muss, wenn ich Gott sprechen hören möchte. Die Motivation kann nicht von außen gegeben werden, ich kann es nicht selber machen.

Der verlorene Sohn kann sein Glück nicht selber machen. Er hat das erkannt und sein Vater hat ihn zu Hause begrüßt, weil er eigentlich niemals weggegangen ist. Weil man sich gar nicht vom Vater entfernen kann, sondern dies nur Illusion ist. Das ist die Auferstehung, dass ich erkenne, dass ich gar nicht sterben kann, wenn ich an das ewige Leben glaube. Und wer noch an den Tod glaubt, muss eben seine Toten begraben, denn das, was er glaubt, verwirklicht sich. Das ist es, was das Gleichnis mich in seiner Tiefe lehrt. Alles andere ist das Denken der Welt.

Momentan finde ich die diese tiefe Spiritualität nicht in der Religion, auch nicht in der Kirchenzeitung. Religion kann trennen, wenn sie sich an das Denken der Welt anpasst. Dann braucht der Mensch die Moral, mit der man selber urteilt, was gut und böse, richtig und falsch ist. Doch so denkt der Vater nicht. Jesus hat sich dem Denken der Welt nicht angeschlossen, indem er alle Menschen unterschiedslos gleich geliebt hat. Ich habe gemerkt, dass ich diese Liebe mit dem Denken der Welt und mit der Moral und aller Psychologie nicht in meine Erfahrung bringen kann. Erst wenn ich das Denken der Welt hinter mir lasse und in die Tiefe gehe; in die Mystik und in jene Erfahrung, die alle unterschiedslos verbindet. Dann bin ich beim Vater. Das erfordert Mut, neue Wege zu gehen in das Unsagbare, was sich nicht mehr mit Worten beschreiben läßt. Und seien sie noch so wohlklingend und druckreif.

Viele Grüße aus Halle
Ihre Christiane Schenke


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